Erlebnispädagogik 2016

 

Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode.
                                       
Durch diese Methode sollen die Bewohner der LeBe die Chance erhalten, in einer Gruppe - oder auf sich selbst gestellt - ihre Fähigkeiten und Qualitäten in Erlebnissituationen einzubringen und dabei ihre Schwächen und Stärken  herauszufinden und aktiv an ihnen zu arbeiten.

Erlebnispädagogik setzt darauf, dass sich besondere Erlebnisse tief einprägen und lange nachwirken. Mit ihrer Hilfe sollen vor allem tiefgreifende Lernprozesse in Gang gesetzt werden.
 
Angestrebt werden Entwicklungen in “Verhalten”, “Denken” und “Fühlen”. Diese umfassen z.B. individuelle, soziale, sachliche und ökologische Lernziele, um die Kompetenzen jedes Einzelnen zu fördern.

Als Mittel der Erlebnispädagogik gelten (Extrem)-Sportarten wie Klettern, Segeln, Kajakfahren, Bergwandern usw., aber auch Kooperations- oder Initiativspiele.

Maßgeblich für erlebnispädagogische Angebote ist jedoch - im Unterschied zum reinen Spaß -Sport - dass die Aktivitäten immer mit einer pädagogischen Zielsetzung verknüpft sind.

Seit Juli 2016 bietet die LeBe durch den Mitarbeiter Stefan Trott jeden Monat länderübergreifend für unsere Häuser eine erlebnispädagogische Einheit an.  

Die Gruppen bestehen aus ca. 10 Personen und werden in Absprache mit  den einzelnen Mitarbeiterteams zusammengesetzt.

Vor jedem Spiel findet stets ein  “Warmup“ statt, um die Bewohner auf das bevorstehende Spiel einzustimmen. 

Die Angebote, die Stefan Trott gruppenspezifisch vorbereitet, sind breit gefächert. Im zweiten Halbjahr 2016 Jahr hat er folgende erlebnispädagogische Einheiten angeboten:

"Slackline" - ähnlich dem Seiltanzen, bei der man auf einem Schlauch- oder Gurtband balanciert, das zwischen zwei Befestigungspunkten gespannt ist. Dieses Band wird Slackline (deutsch etwa: Schlaffseil, schlaffe Leine) genannt. Die Anforderungen des Slackens an die Bewohner sind ein Zusammenspiel aus Balance, Konzentration und Koordination.

„Spinnennetz“ – ist ein kooperatives Abenteuerspiel. Dabei muss jede/r Mitspieler/in durch das Spinnennetz. Dabei darf jede Wabe nur einmal und von einer Person genutzt werden. Das Spinnennetz darf nicht berührt werden. Bei diesem Spiel sind Geschicklichkeit, Denkfähigkeit, Kooperationsbereitschaft und Umgang mit Nähe gefragt.

„Blind durchs Labyrinth“ – ein Spiel, bei dem es um Vertrauen geht. Ein Bewohner, dem die Augen verbunden werden, muss sich auf einen anderen Bewohner verlassen, der ihm von außen Hinweise gibt, um den richtigen Weg zu finden.

„Die Bombe tickt“ – Dabei wird ein tickender Wecker versteckt und eine Gruppe muss ihn gemeinsam suchen. Dabei kommt es darauf an, dass sich alle ganz leise verhalten (leise bewegen, flüstern), sodass ein „Ruheempfinden“ zum Tragen kommt.

„Sumpf“ – Bei diesem Spiel müssen die Bewohner gemeinsam überlegen, wie sie über eine gewisse Fläche „Sumpf“ kommen. Es gibt kleinere Bretter, mit denen sie Stück für Stück über den „Sumpf” kommen können. Dieses Brett müssen sie immer weitergeben, damit die anderen Bewohner es auch schaffen. Bei diesem Spiel steht zum Beispiel die gegenseitige Hilfe und Kooperation im Mittelpunkt, aber auch das Denken wird gefördert und es macht großen Spaß.

„Floß“ – Dabei stehen die Bewohner auf einer Plane, die ein Floß darstellt. Da sie immer mehr aufs Meer raustreiben, müssen sie die Plane unter ihnen umdrehen, ohne dass jemand runterfällt. Dieses Spiel fördert den Umgang mit Nähe. Und sie müssen gemeinschaftlich überlegen wie sie es machen und achtgeben, dass keiner von ihnen ins Wasser fällt. Sie sind „unbewusst“ füreinander da, auch wenn Personen dabei sind, die sich nicht mögen.

„Fröbelkran“ – (Teamkran) ist ein Geschicklichkeitsspiel für 6 bis 24 Personen. Die Bewohner bilden einen Kreis, in dessen Mitte die Holzklötze so aufgestellt werden, dass sich die Nut im oberen Drittel befindet. Jede Person nimmt eine oder mehrere Schnüre in die Hand und spannt sie so, dass die Hängevorrichtung über den Klötzen ausgerichtet werden kann. Nun gilt es mit dem Bügel in der Nut eines Klotzes einzuhaken, diesen hochzuheben und auf einen anderen Holzklotz zu stellen. Dabei ist es wichtig, dass die Teilnehmer ihre Schnur am hinteren Ende festhalten und sie nicht durch „Vorgreifen“ verkürzen. Die Gruppe sollte im Vorfeld entscheiden, ob ein Holzklotz, der beim Einhängen umfällt, wieder aufgestellt werden darf, oder ob er „aus dem Spiel ausscheidet“. Dabei müssen die Bewohner kommunizieren, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Dieses Spiel bietet eine gute Gelegenheit, den Bewohnern das Gefühl "Gemeinsam schaffen wir das, Gemeinsam sind wir stark" auf super einfache Weise zu vermitteln.

Die Auswertung für das zweite Halbjahr 2016 hat ergeben, dass es allen Bewohner/innen sehr gut gefallen hat. Die Bewohner erwarten schon gespannt, was beim nächsten Mal gemacht wird.

Es haben sich bereits nach kurzer Angebotszeit positive Veränderungen eingestellt. Dazu gehört z.B., dass alle Bewohner, die dieses Angebot nutzten, gelernt haben, sich an bestimmte Regeln zu halten.

Die Regeln lauten:

KEINER wird ausgeschlossen
KEINER wird „runtergemacht“, wenn er was nicht schafft
KEINER hat die Hände in den Hosentaschen
KEINER wird beschimpft
KEINER wird ausgelacht
ALLE machen mit

Die Bewohner gehen freundlicher miteinander um, lachen und sprechen noch nachhaltig über das, was sie gemeinsam erlebt haben.

Der Bewohner, der z. B. in der Gruppe unauffällig ist, steht plötzlich im Mittelpunkt und wird von seinen Mitbewohnern wertgeschätzt, weil er zum Erfolg beigetragen hat.

Aufgrund der vielen positiven Feedbacks wird die Erlebnispädagogik auf jeden Fall weitergeführt und bleibt somit ein fester Bestandteil der monatlichen Therapie – und Beschäftigungsplanung.

Januar 2017 Autor: Stefan Trott, Arbeitserzieher und Erlebnispädagoge